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31.12.09

Es begab sich aber zu der Zeit... Teil 8

Die drei Weisen sind nun schon lange unterwegs. Sie waren bei König Herodes und wollten dort den König anbeten. Zu ihrem Erstaunen aber gab es dort keinen neugeborenen König. Nachdem Herodes ihnen das Versprechen abgenommen hat, wiederzukommen wenn sie den neuen König gefunden haben, lässt er sie ziehen und weiter suchen.
Endlich gelangen sie nach Bethlehem, dem Ort wo Maria inzwischen entbunden hat. Auf der Straße haben sie ebenfalls das Schauspiel des Himmels gesehen.

Melchiors Augen wurden immer größer, als der Stern über ihnen sich drehte und regelrecht Funken zu versprühen schien. Balthasars buschige Augenbrauen waren bis zum Haaransatz hochgezogen und Caspar sah vor Erstaunen ganz dumm aus.
„Das ist keine Sternenformation“, flüsterte Balthasar erfürchtig, „das ist …“
„… Gottes Werk“, vervollständigte Melchior seinen Satz. „ Das geht über alles hinaus, was am Himmel je sichtbar gewesen ist. Es ist ein Wunder – ein Zeichen, das uns zeigt, das wir gut daran getan haben, nach diesem König zu suchen.
Zum ersten Mal seit sie aufgebrochen waren, lag Caspar keine verächtliche Bemerkung auf der Zunge. Er sah das Wunder an und murmelte: „Kann das wahr sein?“
“Es ist wahr!“ Melchior trat seinem Kamel erneut in die Flanken und folgte dem Funkeln.



Wie die meisten alten Städten bestand auch der Geburtsort Davids aus gewundenen Straßen, windschiefen Häusern und verborgenen Gässchen. Melchior hätte die Suche nach dem richtigen Haus gleich aufgegeben, aber der Stern wies ihnen zuverlässig den Weg. Der Himmelskörper ging ihnen voraus, hielt sich über ihren Köpfen und führte sie dann eine schmale Gasse hinunter und an einem eingefallenen Brunnen vorbei. Dann blieb er über einen Haus stehen.
Melchior befahl seinem Kamel, in die Knie zu gehen, und hielt sich dann an seinem Sattel fest, als es zunächst die Vorder-, dann auch die Hinterbeine einknickte und ihn auf der Erde absetzte. Auch Balthasar und Caspar stiegen ab, und in ihren Gesichtern stand gespannte Erwartung.
An Melchior gewandt sagte Caspar: „Irgendetwas stimmt doch hier nicht. Das Haus sieht mir nicht so aus, als wäre es eines Königs würdig.

Melchior hob die Augen zu dem hell strahlenden Stern, der genau über ihnen stand. „Willst du vielleicht gegen der Stern Einspruch erheben, der uns bis hierher gebracht hat?“
Balthasar lief ein paar Schritte auf und ab, was nach all den Stunden, die er schon an diesem Tag im Sattel verbracht, nicht ganz einfach war. „Das muss eine Verwechslung sein. Vielleicht geht es um ein Haus, das hinter diesem hier steht und das wir von hier aus nicht sehen können.“
„Das können wir ja erfragen.“
Melchior klopfte an die Tür. Er wartete mit vor dem Bauch verschränkten Hände, bis eine halbe Ewigkeit später drinnen ein Riegel zurückgeschoben und die Tür geöffnet wurde.
„Entschuldige bitte die Störung“, sagte er und verneigte sich, „Aber wir sind auf der Suche nach einem neugebornen Kind hergekommen.“
Der gedrungene Mann im Türrahmen runzelte die Stirn und grummelte dann: “da hinten, die Gasse runter. Das einzige Kind hier ist dort im Stall.“
Melchior starrte den Mann in verwirrter Verzweiflung an. „Der Stall, sagst du?“
Der Mann schloss die Tür ohne ein weiteres Wort, und so starrte Melchior nur noch gegen eine Holzplatte.
Caspar schüttelte den Kopf. „Das alles ist doch völlig verrückt. Der reinste Alptraum … „
Melchior brachte ihn mit erhobener Hand zum Schweigen. „Wir sind doch nicht so weit gekommen, um jetzt unverrichteter Dinge wieder abzuziehen – nur weil das Kind an einem Ort ist, den wir nicht erwarten?“
Er zog sein Gewand fester um sich und marschierte die Gasse entlang, die von dem Haus wegführte. Die Schritte seiner Gefährten knirschten neben seinen. Zuerst sahen sie einen hölzernen Zaun, dann einen Esel, der zu schlafen schien, dann hörten sie das leise Meckern einer Ziege, und rochen Mist und Stroh, und als sie um die Ecke bogen, sahen sie auch den Kopf einer jungen Frau.
„Keine Angst“, murmelte er und hob die Hand, damit seine Freunde anhielten. „Da vorne ist es.“
Mit der Zuversicht, die aus dem Glauben entspringt, eilte Melchior zu den Kamelen zurück. Er zerrte die goldene Schatulle mit seinem Geschenk aus einer der Satteltaschen, klopfte sich dem Staub vom Gewand und strich sich den Bart glatt. Als er sich sicher war, dass sein Auftritt dem Respekt entsprach, der den Besuch bei einem König angemessen war, klemmte er sich die Schatulle unter den Arm und ging den anderen zum Stall voran.
Was er dort sah, verschlug ihm den Atem. Ein neugeborner König, der an der Brust eines jungen Mädchens trank, das gut und gerne Melchiors Enkelin sein konnte. Diese kleine Leben schien so neu und zerbrechlich, dass man es mit einem leichten Schwerthieb und einem einzelnen Schlag leicht auslöschen konnte.
Ein Kind… in einem Stall.

Ein bärtiger Mann trat vor, er hatte die Fäuste geballt, und seine Augen funkelten. Ohne dass man ihm das extra sagen musste, wusste Melchior, dass dieser Mann alles tun würde, um Mutter und Kind zu beschützen.
„Entschuldigt uns bitte“. Melchior ließ sich auf die Knie nieder. „Wir sind viele Tage unterwegs gewesen und weit gereist … um den neugebornen König zu ehren.“
Die junge Mutter sah auf und bedeckte sich sittsam, nachdem das Kind eingeschlafen war. Der bärtige Mann zögerte kurz, nahm ihr das Kind aus dem Arm und legte es in ein Bett, das er aus Stroh gebaut hatte.
Ein König … in einer Futterkrippe.
„Ich sehe ihn“, flüsterte Melchior, „in unserer Zeit. Ich sehe ihn, aber nicht, wo ich ihn erwartet habe. Ein Stern ist über Jakob aufgegangen, ein Zepter ist aus Israel hervorgegangen ...“
Der Bärtige warf ihm einen scharfen und doch müden Blick zu. Melchior nahm den Turban ab und entblößte sein Haupt. „Ich bitte euch, unser Eindringen zu entschuldigen, aber wir … wir sind dem Stern gefolgt. Er hat uns zu diesem Haus geführt … und zu euch.“
Der Mann blickte zum Himmel auf und legte der Frau dann beschützend eine Hand auf die Schulter. Sie lächelte Melchior an, und trotz der Erschöpfung schien ihr Gesicht zu strahlen.
„Wie es sich für einen König gebührt, haben wir auch Geschenke mitgebracht“, fuhr Melchior fort, zog die Schatulle unter dem Arm hervor und legte sie vor der Mutter des Kindes ab. Er hob den Deckel hoch. „Gold für den König der Könige.“
Balthasar trat neben ihn, ging ebenfalls in die Knie und zog sein Geschenk hervor: „Weihrauch für den höchsten aller Priester.“
Caspar sprach mit stiller Überzeugung. „Und Myrrhe“, sagte er und setzte einen Alabasterbehälter neben die anderen, „zur Würdigung deines Opfers“
Melchior wartete schweigend, als die Mutter auf die Geschenke blickte und dann nach der Hand ihres Mannes griff. Der Bärtige öffnete den Mund, als wollte er etwas sagen, und schloss ihn dann wieder. „Ich weiß nicht, was ich sagen soll.“
Die Mutter sah zu ihrem schlafenden Kind hin. „Es gibt eben Dinge“, sagte sie, und ihre Stimme klang zerbrechlich und zart, „für die wir einfach keine Worte haben. Aber vielen Dank.“ Sie lächelte den drei Männern zu. „Vielen Dank für die Geschenke … und für euren Glauben.“
Auszug aus dem Buch: Es begab sich aber zu der Zeit… von Angela Hunt - erschienen im Franke Verlag ©
( 240Seiten – zur Zeit im Sonderangebot: statt 9,95€ nur 1,77€)

Eingestellt mit freundlicher Genehmigung des Franke Verlages

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Passagen in dieser Farbe sind (verbindende) Worte von mir.
Passage in weißer Schrift ist der Originaltext des Buches. 
 

30.12.09

Es begab sich aber zu der Zeit... Teil 7

Der alte Hirte blickte auf, als eine Eule sich über ihm auf den Zweig eines Olivenbaumes setzte. Der Himmel, der eben noch leise und ruhig gewesen war, leuchtete nun vom Licht Dutzender Sterne. Das Funkeln am Westhimmel schien zur Erde herunter gekommen zu sein wie die Herrlichkeit der Feuersäule, die Israel einst durch die Wüste geführt hatte. Es hing nun über der Straße zwischen der Karawane und Bethlehem und schien sich um die eigene Achse zu drehen, und mit jeder Drehung funkelte es heller und leuchtender.
Oznis Nackenhaare sträubten sich in dunkler Vorahnung. War das ein Wunder … oder böses Ohmen.

Auf dem Feld draußen hüpfte das Lämmchen vom Schoß seines Hirten herunter. Ozni merkte dass das Tier wegsprang, aber er reagierte nicht. Seine ganze Aufmerksamkeit galt dem Wunder am Himmel über der Straße nach Bethlehem.
„Bei allem, was heilig ist“, murmelte er und wünschte sich, er hätte das Herz eines Priesters oder wenigstens eines Dichters, um das ergreifende Schauspiel angemessen beschreiben zu können. „was soll das nur sein?“
Er wandte sich um, als ein kalter Wind an ihm vorbeiblies, und sah dann zu seinem Lämmchen hin. Das Tier stand ganz still und schien die Bewegung von etwas zu beobachten, das sich zu Oznis Linken befand. Er drehte sich wieder um und erwartete, hinter sich einen Reisenden zu sehen. Ein Fremder stand am Straßenrand.

Ein Fremder, wie Ozni noch nie einen gesehen hatte. Er fuhr zurück und auf seinen Armen bildete sich eine Gänsehaut. Der Mann schien von innen her zu leuchten!
„Hab keine Angst“, sagte der Fremde, „ich bringe dir eine gute Botschaft von großer Freude … die allen gilt.“
Ozni merkte wie sich ihm der Hals zusammenzog. Gute Botschaften waren nie für ihn bestimmt. Er war ein Ausgestoßener, ein Unreiner, der gerade noch gut genug war, draußen auf dem Feld bei den Tieren zu sein. Er und Seinesgleichen lebten wie die Tiere draußen und hatten nicht das Recht, den Tempel zu betreten, eine Synagoge oder auch das Haus einer anständigen Familie.
Das Haar des Fremden schien im Licht des hell leuchtenden Sterns zu strahlen. „Die gute Botschaft gilt allen“, wiederholte er. „Der Erlöser – ja der Messias, der Herr selbst – ist heute Nacht in Bethlehem, der Stadt Davids, geboren. Und so wirst du ihn erkennen: Du wirst in einem Stall ein Kind finden, das in einer Futterkrippe liegt und in Tücher eingewickelt ist.“
Ozni betrachtete ihn, immer noch sprachlos, als ein neuer Windhauch an ihm vorbeifuhr und der Fremde so plötzlich verschwand, wie er gekommen war.
Der Hirte trat einen halben Schritt zurück und sah zur Erde. Ob das hier wohl das Geschenk war, auf das er gehofft hatte? Er hatte ein Leben lang auf das Geschenk gewartet, das sein Vater ihm versprochen hatte, und vielleicht war es nun erschienen … nein, ganz bestimmt war es nun erschienen. Ein Engel war gekommen und hatte eine Botschaft übermittelt, die die ganze Welt verändern würde.
Oder war das alles nur ein Traum?
Der Alte setzte einen zögernden Fuß auf die Straße nach Bethlehem. Hinter ihm blökte das kleine Lamm und machte Ozni bewusst, dass er nicht träumte. Das alles passiert tatsächlich.
„Also gut.“ Er drehte sich zu dem kleinen Lamm um und nahm es auf die Arme. „Du willst doch nicht ohne mich losgehen, oder?“

Er sah nach oben und erstarrte. Auf den Hügeln hinter ihm, wo Dutzende anderer Hirten ihre Herden für die Nacht zur Ruhe gebracht hatten, standen auch andere Männer und sahen von Ehrfurcht ergriffen, zu Bethlehem hinüber. Das Licht des Sterns tauchte sie alle in ein strahlendes Silber, und in diesem Augenblick wurde Ozni bewusst, das die Botschaft des Engels ihnen allen gegolten hatte.
Ausgerechnet ihnen, den Ausgestoßenen, hatte man von diesem Wunder berichtet.

Auszug aus dem Buch: Es begab sich aber zu der Zeit… von Angela Hunt - erschienen im Franke Verlag ©
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29.12.09

Es begab sich aber zu der Zeit... Teil 6

Josef, der zunehmend in Panik geriet, rannte zum Brunnen zurück, wo er Maria zurückgelassen hatte. Als er sie nicht neben dem Esel stehend sah, setzte sein Herz eine Sekunde lang aus, aber es klopfte umso schneller, als er merkte, dass sie an der Brunnenwand zusammen gesunken war.

Er klopfe an eine letzte Tür, ein großes Haus gegenüber dem, bei dem er angefangen hatte, und redete schon los, als die Tür auch nur einen Spalt weit geöffnet war. „Bitte! Meine Frau bekommt gerade ein Kind, und niemand kann uns helfen!“
Der Mann – ein kleiner Mensch, der so rundlich war, dass sein Kopf direkt auf den Schultern zu sitzen schien – öffnete die Tür weiter, und seine Augen verzogen sich zu schmalen Schlitzen, als er Maria neben dem Brunnen sitzen sah.
„Ich flehe dich an“ fuhr Josef fort, und es war ihm egal, ob man ihm seine Verzweiflung anhörte. „Ich erwarte ja nicht, dass du uns in deinem Haus aufnimmst – alles ist uns recht. Wir brauchen nur irgendeinen Unterstand, wo meine Frau sich hinlegen und wo eine Frau bei der Geburt helfen kann.“
Der Mann zögerte kurz und flüsterte dann jemandem hinter der Tür etwas zu.
***
Der kleine Mann hielt eine Öllampe hoch und geleitete Josef und den Esel eine Gasse hinunter, hin zu dem Stall, in dem er seine Tiere untergebracht hatte. Ein paar Ziegen scharrten unruhig mit den Füßen, als sie eintraten, und ein Maultier zuckte mit den Ohren in ihre Richtung, bevor es wieder eindöste.
Der Mann, der sich ihnen als Thomas vorgestellt hatte, wartete, bis Josef Maria geholfen hatte, sich auf einen Ballen Heu zu setzen, und reichte ihm dann die Lampe. „Es tut mir leid, aber mehr kann ich euch nicht anbieten.“
Josef nahm die Lampe und schenkte dem Mann ein Lächeln, das von Herzen kam. „Vielen Dank. Kennst du zufällig eine Hebamme?“
„Es gab eine Hebamme in Bethlehem“, sagte Thomas. „Dorcas. Aber die ist gestern gestorben.“
Josef stöhnte, und das Herz klopfte ihm wie wild in der Brust. „Bitte. Das Kind kommt jeden Moment und ich weiß nicht … ich habe noch nie …“
„Jede Frau wird wissen, was zutun ist.“ Der Händler sah zu Maria hinüber die sich an einem Stück Zaun festkrallte. „Ich würde ja meine Frau vorbeischicken, aber die hat mit unseren Gästen schon alle Hände voll zu tun. Du kannst ja versuchen, eine Frau zu finden, die mit dir hierher kommt … „
„Josef!“ Maria klang erschöpft, aber zutiefst entschlossen. „Geh nicht. Ich brauche dich jetzt.“

Als der Händler sie verlassen hatte, sah Maria ihren Mann durch einen Schleier aus Tränen hindurch an. Er hatte eine Unterkunft für sie gefunden, er hatte eine Lampe besorgt, sie waren in Sicherheit und im Trockenen. Sie musste ihr Kind immerhin nicht auf der Straße zur Welt bringen.
„Maria.“ Josef kniete neben ihr und nahm ihre Hand. „Ich weiß nicht, wie man das hier macht. Ich bin noch nie in einem Haus gewesen, in dem eine Frau gerade ein Kind bekam. Und ich bin ein Zimmermann, kein Bauer, also habe ich nie auch nur …“
„Ich brauche dich jetzt“, sagte sie und sah ihm tief in die Augen. Ich war bei Elisabeth, als sie ihr Kind bekommen hat. Ich glaube … ich weiß, dass wir zurechtkommen werden. Aber ich brauch deine Hilfe.“
Sie griff nach ihrem staubigen Schleier, riss ihn sich vom Kopf und gab ihn ihrem Mann. „Schüttle ihn aus und versuche, ihn so sauber wie möglich zu bekommen. Und schau nach, ob du das andere Tuch findest, das blaue. Das reißt du in Streifen. Und…“ Sie biss die Zähne zusammen, als eine neue Wehe einsetzte, „versuch irgendetwas zu finden, in dem das Kind schlafen kann. Wir können ja nicht zulassen, dass es von den Ziegen oder dem Esel zertrampelt wird.“
Er stand auf, um ihren Bitten nachzukommen, und sie stemmte sich ebenfalls in die Höhe. Sie wollte nichts lieber, als sich im Heu zusammenrollen und schlafen, aber vorher hatte sie noch etwas zutun.
Und Gott würde ihr die Kraft dazu geben.
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Maria lag auf der Seite und ballte die Faust fest um das rote Band, das ihr auf der Reise geschenkt worden war. Josef wischte ihr mit einem feuchten Tuch den Schweiß von der Stirn und betete, dass Adonai ihnen die Kraft für die Stunde schenkte, die vor ihnen lag.
Ein plötzliches Stechen, das stärker war als die vorigen, ließ Maria aufschreien, aber dann presste sie die Lippen zusammen und versuchte, sich auf das Atmen zu konzentrieren. Sie wollte nicht an die Schmerzen denken, sondern an das Wunder, das geboren werden würde.
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„Jetzt“, sagte Maria und griff nach Josefs Arm. „Hilf mir aufzustehen. Jetzt!“
Er hielt ihr den Arm hin und half ihr, auf dem unebenen Boden Halt zu finden. Er hatte sauberes Heu zu einer Art Nest zusammengetragen, und Maria kauerte sich darüber.
Als er vor ihr auf die Knie ging, griff sie nach seinen Schultern. „Ich presse jetzt“, sagte sie und ihre Augen schienen vor Anstrengung in ihrem Kopf zu verschwinden. „und du fängst das Kind auf.“
Josef zwinkerte verwirrt. Wie sollte er das denn anstellen?
Er sah ihr zu, und vor lauter Mitleid verzog auch sein Leib sich schmerzhaft, bis Maria aufkeuchte und zwischen ihren Gliedern ein Köpfchen erschien. Josef breitete die Hände aus und fühlte eine warme, nasse Sturzflut über seine Handflächen hinweggehen, bevor ein rosa Kind auf ihnen landete.
Josef starrte auf das Wunder in seinen rauen Handwerkerhänden. Maria schöpfte keuchend Atem und ließ sich dann in das Stroh zurücksinken. Sie deutete auf die pulsierende Nabelschnur, die ihren Sohn noch mit ihr verband.
„Du must sie durchschneiden und abbinden“, erklärte sie und sah ihn mit einem Blick an, der Zuversicht vermitteln sollte. „Lass eine Fingerlänge Schnur dran und schneid den Rest ab.“
Er tat, wie ihm geheißen war, benutzte einen Kieselstein zum Schneiden und band den blutigen Stumpen mit einem Faden aus seinem Gewand ab.“
„Wasch ihn ein bisschen“, flüsterte Maria und stützte sich auf den Ellbogen, weil sie nicht mehr die Kraft hatte zu sitzen. „Wickel ihn in die Streifen aus Tuch, die du gerissen hast, damit er nicht friert … und dann bring ihn zu mir.“
Josef wusch das Kind mit Wasser aus der Viehtränke. Der Neugeborene in seinen Händen hatte dunkles, nasses Haar, eine winzige Nase und einen kleinen Mund. Seine weichen, dünnen Ärmchen wackelten, und an seinen Füßen, mit denen er um sich trat, saßen vollkommene kleine Zehen. Er sah Josef mit einem Blick an, der ihm direkt in die Seele drang.
Als Josef alles ausgeführt hatte, worum Maria ihn gebeten hatte, brachte er seiner Frau das Kind. Maria liefen die Tränen über die Wangen, als sie ihr Gewand zur Seite schob und den Sohn Gottes stillte, der für die ganze Menschheit geboren war.
Josef fiel gar nicht auf, dass auch er weinte, bis er den salzigen Geschmack von Tränen auf seinen Lippen fühlte.


Auszug aus dem Buch: Es begab sich aber zu der Zeit… von Angela Hunt - erschienen im Franke Verlag©
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28.12.09

Es begab sich aber zu der Zeit... Teil 5

Melchior breitete die Sternenkarte auf dem niedrigen Tischchen aus, das mitten im Raum stand, und ließ seine alternden Glieder dann in einen Stapel Kissen sinken. „Seht euch das an, meine Freunde, und sagt mir dann, ob ihr in diesen Karten irgendetwas Auffälliges bemerkt.“
Balthasar beugte sich vor und betrachtete die Karten eingehend. Dann wandte er seinen Blick dem Nachthimmel zu, der durch das offene Fenster zu sehen war. „Ich würde dir gerne eine endgültige Antwort geben, Melchior, aber die Sternekarten können das Rätsel nicht erklären, das dich nachts wach hält.“
„Ein Komet ist es jedenfalls nicht“ Melchiors Blick folgte dem seines Kollegen. Ein neuer Stern stand im Westen, und sein heller Schein und das Rätsel, das ihn umgab, schien sie zu verhöhnen. „Er bewegt sich, aber nicht schnell.“
Caspar hielt die Schriftrollen in seiner Hand hoch. „Glaubst du immer noch, dass dieser Stern mit der Weissagung Bileams zu tun haben könnte?“
Melchior nickte. „Ich bin mir sicher. Der hebräische Prophet Jeremia hat beschrieben, dass der wahre Gott einen gerechten Spross auf dem Thron Davids in Jerusalem setzen würde. Und Jesaja hat vorhergesagt, dass aus dem Stamme von Davids Geschlecht ein Reis aufschießen würde – ein Zweig, der aus der alten Wurzel Frucht hervorsprießen lässt.“
Caspar strich sich über den Bart, den er mit Öl eingestrichen hatte. „Vielleicht hat Bileam ja von David gesprochen.“





„David war ein mächtiger König, der viele Kriege gewonnen hat“, gab Melchior zu, „aber der hat die Feinde Israels nicht vollständig ausgerottet. Nein, ich glaube, dass Bileam von einem anderen König gesprochen hat. Einem Herrscher der in Judäa geboren wird.“
Balthasar bekam große Augen bei der Vorstellung: “und dieser neue König wird noch mächtiger sein als David?“
Melchior wandte seine Aufmerksamkeit wieder der Sternenkarte zu. „Er wird der Löwe von Juda genannt, deswegen scheint das nahe zu liegen.“
Balthasar nahm sein bronzenes Astolabium wieder auf und drehte an seiner Scheibe. „Das stimmt. Die Worte des Propheten werden in Erfüllung gehen … oder vielleicht haben sie sich sogar schon erfüllt.“
Melchior betrachtete die Sternenkarte genauer. Der betagte König, der momentan auf dem Thron Israels saß, war ein Edomiter, kein Jude, so konnte der König, der noch kommen sollte, nicht von ihm abstammen. Und doch hatte Herodes schon jahrelang mit der Erlaubnis unter der Autorität Roms über Israel geherrscht. Wie konnte irgendjemand sich gegen Rom selbst wenden?
Ein schiefes Grinsen spielte um Caspars gelockten Bart. „Täuschen mich meine Augen, Melchior, oder bemerkte ich so etwas wie Unsicherheit an dir?“
„Du täuscht dich nicht“. Melchior drehte die Karte ein wenig, sah wieder zum Himmel hinauf und seufzte dann. „Wir haben schon mehrere Monate den Himmel und die Weissagung betrachtet. Wir haben einen neuen Stern gesehen, der ungewöhnlich hell strahlt. Aber wir haben keinen letzten, überzeugenden Beweis dafür, dass es irgendwo einen neuen König gibt.“
Er griff nach dem Griffel, tunkte ihn in Tinte und zeichnete den neuen Stern auf der Karte ein. „Wenn der wahre Gott die Geburt des jüdischen Messias ankündigt, tut er es jedenfalls recht unauffällig.“
Ohne jede Vorwarnung ließ Balthasar sein Astrolabium aus der Hand fallen. Das Gerät fiel mit einem lauten Klirren auf den Boden. „Wie habe ich nur so blind sein können!“
Melchior hob fragend die Augenbraue. „Was?“
„Ich habe die ganze Zeit an Zahlen und Konstellationen gedacht. Und dabei hätte ich Wörtern und Bedeutungen meine Aufmerksamkeit schenken sollen.“
Diese etwas merkwürdige Aussage verwirrte Melchior. „Vielleicht erklärst du besser was du meinst.“





Balthasar trat wieder an den Tisch heran, auf dem Melchior die Sternenkarte ausgebreitet hatte. „Schaut doch mal, schaut mal hier! Wir sind auf dieses Rätsel aufmerksam geworden, als Venus und Jupiter zusammen trafen, erinnert ihr euch? Aber schaut euch einmal an welche Sterne ein paar Tage später aufeinander stießen.“ Er nahm seine Armillarsphäre auf, drehte an den Bögen und reichte das Instrument dann an Melchior weiter. „Siehst du jetzt was ich meine?“
Melchior starrte auf das Gerät. ich verstehe. Venus ist auf Merkur gestoßen. Das war vor vier Monaten.“
Balthasar strahlte so wie ein armer Mann, der unvermittelt einen Sack mit Gold gefunden hat. Venus ist fruchtbar, Venus ist die Mutter. Merkur ist der Bote Gottes. Vor vier Monaten hat der Bote die Mutter besucht.“
Melchior starrte auf die Sphäre in seiner Hand und war zum ersten Mal seit langen um Worte verlegen.
„Das ist ja interessant“, machte sich Caspar träge von seinem Kissen aus bemerkbar, „aber es könnte doch ein Zufall sein. Merkur und Venus treffen schließlich recht oft aufeinander… „
„Aber schau dir das hier einmal an!“ Balthasar nahm die Amilllarsphäre wieder von Melchior entgegen und drehte an der Mechanik in ihrem Innern. „Dein rätselhafter Stern, Melchior, ist eigentlich kein Rätsel. Ich kann seine Spur nun verfolgen. Es ist der Stern, den Römer Regulus nennen. Bei uns heißt er Sharu.“
Melchior lehnte sich in seine Kissen zurück, als der das Wort für König in zwei Sprachen hörte. „Warum ist mir das bloß nicht aufgefallen?“
Weil er heller ist als gewöhnlich. Und weil du es noch nie erlebt hast, dass Jupiter ihn fast überlagerte. Dass sich Jupiter, Venus und Sharu sich so nahe kommen, wird zu unserer Lebzeit nicht mehr passieren … nein, nicht einmal in der Lebenszeit der Kinder unserer Enkel.“
Melchior blickte weiter auf die Sternenkarte, während Balthasar fortfuhr. „In den nächsten Monaten wird Jupiter dreimal im Sternbild des Löwen auf Sharu treffen. Und alle drei mal wird Jupiter, der Vater der Könige, über Sharu kreisen, der zwischen den Füßen des Löwen erscheinen wird.“
Melchior schloss die Augen, als ihm die alte Weissagung nur allzu lebendig ins Gedächtnis trat. Das Zepter wird von Juda weichen, noch der Herrscherstab von seinen Lenden bis er kommt…
Venus, Jupiter, Sharu.
Mutter, Vater, König.
Der Löwe von Juda.
Er stand abrupt auf und ging aus dem Raum.





Melchior hatte gerade den Deckel seiner Truhe hochgehoben, als er seine Kollegen heranschlurfen hörte. Einen Augenblick lang standen Balthasar und Caspar im Türrahmen und starrten ihn nur wortlos an, dann legte Balthasar eine Hand auf die Brust. „Melchior… mein Freund, was tust du denn da?“
„Ich packe!“
„Darf man auch erfahren warum?“
„Ich werde den Löwen von Juda begrüßen. So eine Gelegenheit hat man nur einmal im Leben; denkst du ich lasse mir das entgehen?“
Balthasar räusperte sich: “Du willst allen Ernstes ins Land Judäa reisen?“
Caspar und Melchior warfen sich einen Blick zu, und dann durchbrach Caspar die Stille: „Melchior, das Land, von dem du redest, ist schrecklich weit weg. Wir werden ja glatt ausgelacht, wenn wir sagen, dass wir einem Stern folgen.“
Caspar lachte kurz und gekünstelt auf. Melchior wandte sich an Balthasar: „Aber du kommst doch gewiss mit?“
Der Astronom blinzelte verwirrt. „Wir können seinem Verlauf doch auch von hier folgen“
„Aber ich will nicht den Stern sehen, sondern den, zu dem er hinführt. Ich möchte dem Stern folgen, nicht seinem Lauf.“

Ich versteh euch nicht, „Wollt ihr denn nicht wissen was Gott offenbart hat? Kommt, lasst uns gehen. Alle zusammen.

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27.12.09

Es begab sich aber zu der Zeit... Teil 4

Lukas, Kapitel 21 In jener Zeit erließ Kaiser Augustus den Befehl an alle Bewohner seines Weltreichs, sich ´in Steuerlisten` eintragen zu lassen. 2 Es war das erste Mal, dass solch eine Erhebung durchgeführt wurde; damals war Quirinius Gouverneur von Syrien. 3 So ging jeder in die Stadt, aus der er stammte, um sich dort eintragen zu lassen.4 Auch Josef machte sich auf den Weg. Er gehörte zum Haus und zur Nachkommenschaft Davids und begab sich deshalb von seinem Wohnort Nazaret in Galiläa hinauf nach Betlehem in Judäa, der Stadt Davids, 5 um sich dort zusammen mit Maria, seiner Verlobten, eintragen zu lassen. Maria war schwanger.
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Rom wird uns immer bis aufs Letzte ausnehmen“, krächzte Marias Großvater. „ Der Kaiser hält uns gefügig, indem er uns arm hält.“
Aus dieser Volkszählung kann gar nichts Gutes kommen“, beharrte Aaron. „Wer soll denn auf die Tiere aufpassen wenn wir alle in einer Schlange stehen? Wer wird die Löhne der Leute bezahlen, die unsere Namen aufschreiben? Wir doch alle, durch unsere Steuern.“
Aaron lachte: “Immerhin können wir uns hier einschreiben lassen. Ich habe gehört, der Rabbi muss bis Kapernaum reisen. Da ist er glatt 2 Tage unterwegs!“
„Zwei Tage, an denen er seiner Arbeit nicht nachgehen kann.“ Marias Vater schüttelte den Kopf. „Das ist doch eine Schande!“
Josef, der die ganze Zeit geschwiegen hatte, ließ sein Brot sinken. „Ich kann mich nicht in Nazareth einschreiben lassen“.
Eine betretene Stille legte sich um die Gemeinschaft, und die anderen Männer starrten Josef an.
„Der Befehl“, fuhr Josef fort, „hat besagt, dass jeder Mann an den Ort seiner Vorfahren reisen muss. Also muss ich nach Bethlehem gehen.“
Marias Mutter sah besorgt zu ihrer Tochter hin und kniete dann neben ihrem Schwiegersohn nieder. „Das kann nicht sein! Bis nach Bethlehem sind es mehr als hundert Meilen. Du kannst nicht so lange wegbleiben!“
Josef lehnte sich ein Stück vor, um Marias Blick aufzufangen. „Ich reise ja nicht allein. Jedes Mitglied meiner Familie muss mitkommen.“
„Sicher“. Aaron zuckte die Schultern zuckte die Schultern. „Dein Bruder und dein Vater müssen auch dorthin. Alt genug sind sie ja.“
Josef sah direkt zu Maria hin und in seinem Blick schien ein merkwürdiger Eifer getreten zu sein. „An meinen Bruder und meinen Vater hatte ich dabei nicht gedacht.“
Maria folgte dem Beispiel ihrer Mutter und kniete nieder, als ihr bewusst wurde, was die Volkszählung für sie bedeuteten würde.
„Mein Vater und mein Bruder müssen noch ein Boot fertig stellen, das sie gerade an der Küste bauen“, fuhr Josef fort. „Sie werden etwas später reisen, wenn sie fertig sind. Der Monat ist ja noch lang. Ich dagegen würde gerne schon morgen aufbrechen, weil jeder Tag, den wir zögern, meiner Frau nicht gut tun wird.“
Maria blinzelte verwirrt und überlegte, wie weit Bethlehem entfernt war. Der Geburtsort von König David lag so weit weg wie Juttah; schon für die Hinreise würden sie mindestens eine Woche brauchen. Dann würden sie sich einschreiben lassen und dann hatten sie immer noch die Rückreise vor sich …
„Kommt gar nicht in Frage!“ Die Stimme ihrer Mutter durchbrach das Schweigen. „Maria bleibt hier, Es kann keiner ernsthaft erwarten, das ein Mädchen in ihrem Zustand …“
„Die Römer machen da keine Ausnahme.“ Joaquim fing Josefs Blick auf. „Du hast Recht. Maria muss mitgehen, damit müssen wir uns abfinden.“
Maria suchte nach Worten, um das Unausweichliche erträglicher zu machen. „So weit ist die Reise nicht, Mutter. Es kann ja sein, dass wir wieder zurück sind, bevor …“
Annas Nasenflügel bebten. „Das liegt im Willen Adonais, nicht in deinem!“
Maria konnte sich ihr Lachen nur schwer verkneifen. Adonai hatte offensichtlich beschlossen, dass sie diese Reise antrat. Aber da er sie bisher so gut beschützt hatte, würde sie Ihm vertrauen, dass er auch weiterhin für sie sorgen würde, je näher die Geburt rückte.
Sie richtete sich auf und blickte Josef fest in die Augen. Diese tiefen, brauen, unergründlichen Brunnen gaben ihr die nun Kraft. “Ich gehe“, sagte sie einfach, „mit meinem Mann“.
Ihre Mutter keuchte und hielt sich erschrocken eine Hand vor den Mund, aber als Maria zu ihrem Vater hinsah, bemerkte sie so etwas wie widerwillige Bewunderung in seinem Blick. Er sah kurz zu der Kugel hin, die sich unter ihrem Gewand abzeichnete, und wandte sich dann in sachlicher Art, mit der Männer untereinander zu reden pflegen, an seinen Schwiegersohn. “Ihr zieht besser am frühen Morgen los. Und seht zu, dass ihr euch nicht mehr auf den Straßen aufhaltet als nötig.“
„Ich beschütze sie“, versprach Josef. „Und das Kind“.
„Die Straße um Samaria herum ist die sicherste“, fuhr Joaquim fort, als hätte er ihn nicht gehört, „aber der direkte Weg ist der schnellste. Wenn es dir weise erscheint, zieht durch Samaria, aber haltet euch nicht länger auf als unbedingt nötig.“
Zum ersten Mal an diesem Tag rührte sich so etwas wie Angst in Maria. Das Verhältnis zwischen Juden und Samaritern war immer schon angespannt gewesen, aber vor kurzem hatten Leute in Nazareth von einer Gruppe in Nain gehört, die auf einer Straße in Samaria überfallen und ausgeraubt worden war. Es gab so viele Geschichten davon, wie Leute auf ihrer Pilgerreise nach Jerusalem ermordet worden waren, dass nur wenige Reisende wagten, den direkten Weg nach Süden zu nehmen.
„Ich verspreche dir“, sagte Josef, dass ich sie und ihr Kind unter Einsatz meine Lebens verteidigen werde.“




Sie liefen mehrere Meilen auf unbefestigten Wegen hin zu der breiten Straße, die direkt nach Süden führt, durch Samaria hindurch. Josef besprach den Weg, den sie nehmen sollten, nicht mit Maria, aber sie wusste, dass er Adonai vertraute, sie sicher durch feindliches Gebiet zu bringen.
Als ehrerbietige Ehefrau hielt sich Maria einlege Schritte hinter ihrem Mann, der den Esel führte. Obwohl sie festen Herzens und entschlossenen Schrittes losgezogen war, zehrte das zusätzliche Gewicht, das sie zu tragen hatte, bald an ihrer Kraft. Josef spürte ihre Mutlosigkeit wohl und hörte die müder schlurfenden Schritte, aber immer wenn er sich umwandte und nach ihr sah, reckte sie das Kinn in die Höhe und lächelte ihn an. Sie wollte nicht, dass er ihretwegen langsamer ging.
Gegen Mittag jedoch, als sie versuchte, auf einer steil abfallenden Straße das Gleichgewicht zu halten, brachte sie nicht mehr die Kraft auf, Optimismus auszustrahlen. An einer Stelle kam ein römischer Wagen auf sie zugefahren, und Josef zog den Esel an den Straßenrand, wie es vorgeschrieben war. Auch Maria trat von der Strasse und merkte, wie ihre Beine auf der weichen Erde nachgaben. Unfähig, auch nur den Kopf zu heben, blieb sie einfach im Straßengraben liegen und schloss die Augen. Ihretwegen mochte die ganze Welt vorbei galoppieren.
Sofort kniete Josef an ihrer Seite. „Maria! Ist dir etwas passiert?“ sie schüttelte kraftlos den Kopf, hielt die Äugen aber geschlossen. „Lass mich einfach ausruhen, bis der Wagen vorbei ist.“
Sie hörte, wie Josef tief Luft holte und wie seine Sandalen im Kies am Straßenrand knirschten, und dann roch sie die Pferde und die Römer und den Schweiß langer Reisen. Der Wagen fuhr in einem Lärmen von Hufen und Gepolter an ihr vorbei und dann stützten Josefs starke Arme ihr den Hals und den Rücken, damit sie sich aufsetzen konnte.
„Von hier ab reitest du“, sagte er, und seine Stimme klang dabei so fest wie die ihres Vaters, wenn ihm etwas wirklich ernst war. „Der Esel hält dein Gewicht schon aus.“
Sie riss die Augen auf. „Der Esel trägt doch schon die ganzen Vorräte!“
„Die kann ich ja tragen.“
Sie sah ihn mit amüsierten Erstaunen an, „Du wirst in Galiäa zum Gespött der Leute, Josef! Kein Mann würde je das Gepäck auf den Rücken nehmen und seine Frau auf das Tier setzen. Ich kann dir das nicht erlauben. Lass mich hinter dir her gehen, wie es sich gehört.“
„Maria.“ Die Entschlossenheit ließ ihn die Augen zusammenkneifen, so dass sie nur noch dunkler und unergründlicher schienen. „Du bist meine Ehefrau und wirst mir gehorchen. Und ich bestimme hiermit, dass du auf dem Esel reitest. “Maria öffnete schon ihren Mund, um noch einmal zu widersprechen, aber sie schloss ihn wieder. Der Mann hatte längst seinen Ruf aufs Spiel gesetzt, um ihren zu retten. Was konnte es ihm nun schon ausmachen, wenn ein paar Fremde ihn komisch fanden?
Sie legte den Arm um seine Schultern und ließ sich aufhelfen. „Der Esel …“, meinte sie und verschränkte die Arme über den Bauch, das arme Tier wird gar nicht wissen, was es mit mir anfangen soll.“
„Das muss es ja auch nicht“, sagte Josef und grinste sie an, „Ich werde den Esel jeden einzelnen Schritt führen.“



Auszug aus dem Buch: Es begab sich aber zu der Zeit… von Angela Hunt - erschienen im Franke Verlag ©
( 240Seiten – zur Zeit im Sonderangebot: statt 9,95€ nur 1,77€)

Eingestellt mit freundlicher Genehmigung des Franke Verlages

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Passage in dieser Farbe ist der Bibeltext nach der Schlachter Übersetzung als verbindendes Wort.

Passage in weißer Schrift ist der Originaltext des Buches.
 

26.12.09

Es begab sich aber zu der Zeit... Teil 3

Josef hat von seiner Verlobten erfahren das sie schwanger ist, nun liegt er schlafend und hat zunächst einen Alptraum von dem ihr hier noch den letzten Satz zur Einleitung lesen könnt und plötzlich: …, aber lest selbst.
Josef spürte, wie sich ihm bei dem Gedanken der Magen zusammenzog und seine Seele aufschrie. Er konnte nicht länger hinsehen. Er wandte sich ab, überließ Maria ihrem Schicksal, und plötzlich…
Er stand in dunkelster Nacht in einer Einöde, irgendwo in der Wüste Galiläas. Nicht weit entfernt konnte er ein Wadi sehen, das sich durch den Sand schlängelte und von einem einzigen Stern am Himmel erleuchtet wurde.
Er hob seine Augen zu dem ebenholzschwarzen Firmament auf und sah einen Stern, der ungewöhnlich hell leuchtete. Als er sich noch darüber wunderte, hörte er eine Stimme, die die Wüste zu erfüllen schien. „Josef, Sohn Davids.“
Er wirbelte herum und merkte, wie seine Knie unter ihm nachgaben. Vor ihm auf der weiten Ebene stand ein Mann, der so hell glänzte wie der Stern über ihnen.
„Josef, Sohn Davids“, wiederholte der Besucher eifrig, „hab keine Angst, Maria zu dir zu nehmen, denn das Kind, das sie in sich trägt, ist vom Heiligen Geist gezeugt …“
Josef sank, von Ehrfurcht überwältigt, auf die Knie und hörte zu.





Ein lauter Wind ließ ihn hochfahren. Er setzte sich in der Dunkelheit auf. Wie ein warmer Mantel breitete das Wissen um die Wahrheit um ihn aus.
Er war in dem Haus, das er mit Maria teilen sollte.
Er war zu Hause.
Er rollte von seiner Matte herunter und ging auf die Tür zu, die er wegen der warmen Nacht hatte offen stehen lassen. Um ihn herum, jenseits der Hofmauer und der schmalen Straße, lag Nazareth im Schlaf.
Ob irgendwer unter seinen Freunden und Bekannten wohl von diesem Wunder wusste? Maria wusste es und er.
Die Propheten und die Weisen hatten es immer schon gewusst. Sie hatten vor langer Zeit in die Zukunft geschaut und all diese Dinge gesehen.
Jesaja hatte von einem Wunder berichtet, das sich zutragen würde … und Josef war auserwählt worden, daran teilzuhaben.
Siehe eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen Immanuel – Gott mit uns.
Er sah zum Nachthimmel auf, an dem der Stern aus seinem Traum hell glänzte.


Am nächsten Morgen stand Josef früh auf, wusch sich Gesicht und Hände und legte sich einen neuen Mantel um die Schultern. Die Tradition forderte eigentlich, dass er Freunde mitnahm, um zum Hause seiner Braut zu gehen, aber er wollte diesen Gang lieber allein zurücklegen.
Er lief mit großen Schritten durch die Straßen und hielt dann in der Dorfmitte an. Maria stand mit einem Krug am Brunnen, aber keine der andren Frauen hielt sich in ihrer Nähe auf. Drei oder vier steckten ein paar Schritte von ihr entfernt die Köpfe zusammen und tuschelten aufgebracht,
Maria, die noch nicht mitbekommen hatte, dass Josef herangekommen war, hockte sich hin, um sich mit einem kleinen Mädchen zu unterhalten, das sich über die unerwartete Aufmerksamkeit zu freuen schien. Josef lehnte sich gegen eine Mauer und genoss den Anblick, bis eine der Frauen aus dem Kreis der anderen heraustrat und das Mädchen von Maria wegzerrte.
Gerüchte, so wurde ihm aufs Neue klar, verbreiteten sich offenbar sehr schnell.
Dass Maria traurig dreinblickte, gab Josef einen Stich durchs Herz. Er wäre am liebsten auf der Stelle zu ihr hingegangen, um sie zu trösten, aber er wollte nicht öffentlich Anstoß erregen.
Was er zu sagen hatte war nur für Marias Ohren bestimmt. Josef trieb sich im Schatten herum, bis sie ihren Krug gefüllt hatte und vom Brunnen wegtrat. Er ging ihr nach, bis sie den Riegel zum Hoftor ihres Vaters hochschob, und sprach sie dann gerade so, laut an, dass nur sie ihn hören konnte. „Und du sollst ihm den Namen Jesus geben … Gott ist mein Retter.“
Sie drehte sich überrascht um.
Seine Augen suchte ihre, um zu sehen wie sie reagierte. „Denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden.“
Maria sah ihn mit tränen in den Augen an. „Du weißt es?“
Josef trat näher an sie heran. „Das Kind wird einen Vater gebrauchen“.
„Ja“
„Ich werde ihn als meinen Sohn ausgeben.“
Maria lächelte zu ihm auf, während die Tränen sich ihren Weg über die Wangen bahnten. „Die Leute im Dorf… es kann sein, dass sie uns kein Wort von dem glauben, was wir sagen. Vielleicht nehmen sie die Wahrheit nie an.“
„Ich kann mir nicht den Kopf darüber zerbrechen, was die Leute denken könnten. Es gibt wichtigeres zutun.“ Er streckte die Hand aus. „Du bist vor dem Gesetz meine Frau. Ich bin dein Mann. Alles andere geht niemand etwas an.“
„Und … wie geht es weiter?“
„Unser Haus ist fertig, Maria. Es fehlen nur noch ein paar Nägel, ein Regel oder zwei … und eine Braut.“ Er senkte den Kopf, bis die Welt um ihn herum aus nichts mehr bestand als ihren Augen. „Ich bin gekommen, um dich nach Hause zu holen, Maria. Heute sollst du meine Frau werden.“

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Auszug aus dem Buch: Es begab sich aber zu der Zeit… von Angela Hunt - erschienen im Franke Verlag ©
( 240Seiten – zur Zeit im Sonderangebot: statt 9,95€ nur 1,77€)

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Passagen in dieser Farbe sind (verbindende) Worte von mir.
Passagen in weißer Schrift ist der Originaltext des Buches.

 

25.12.09

Es begab sich aber zu der Zeit... Teil 2

Maria ist gerade von Elisabeth zurückgekehrt, bei der sie ca. 3 Monate verbracht hat. Elisabeth wurde von einem gesunden Jungen entbunden, den sie Johannes genannt haben. Nach dieser anstrengenden Reise sucht sie ihr Elternhaus auf. Ihr Vater ist gerade nicht zu Hause.
Ihre Mutter runzelte die Stirn, als ihr bewusst wurde, wie viel Maria gegessen hatte, seit sie hereingekommen war. „Hat Elisabeth dir nicht genug Essen für die Reise mitgegeben? Ich habe noch nie gesehen, das du so viel zu dir genommen hast.“
Ohne Vorwarnung sah sie Maria plötzlich alarmiert mit ihren dunklen Augen an. Und bevor ihre Tochter sich recht versah, hatte sie die Hand ausgestreckt und auf die kleine Kugel gelegt, die unter Marias Rippen gewachsen war.
Ihr Gesicht verzerrte sich, als sie erfühlte, dass ihre Tochter ein Kind erwartete. Sie sank wortlos auf die Matte zurück und starrte Maria unverwandt an.

Maria atmete tief durch, hob den Kopf und hielt dem durchdringenden Blick ihrer Mutter stand. „Ich habe keinen Schwur gebrochen.“
Ihre Mutter kreuzte die Arme vor der Brust. „Ist das Kind von Josef?“
Maria wandte den Blick ab und konnte nicht antworten. Wie sollte sie denn nur erklären was passiert war, wenn ihre Mutter schon jetzt das Schlimmste annahm?
„Wenn das Kind nicht von Josef ist“ fuhr ihre Mutter in einem schneidend scharfen Ton fort, „dann hast du jeden einzelnen Schwur gebrochen, den es zu brechen gab.“
Maria schloss die Augen. „Vertrau mir doch.“
„Warum sollte ich dir vertrauen? Weist du eigentlich welche Schande du über dich bringst? Und über Josef?“ Ihre Stimme wurde vor lauter Sorge ganz heiser. Das Gesetz verlangt, dass du rein bleibst, bis du in sein Haus ziehst.“
Maria sah wieder hoch, ihrer Mutter direkt in die Augen. „Ich habe das Gesetz nicht gebrochen.“
Ihre Mutter stöhnte auf. „War es einer von Herodes` Soldaten? Einer von den Römern? Irgendjemand auf der Reise nach Juttah?“
Maria schüttelte den Kopf. „Ich habe dich doch gebeten mir zu vertrauen.“„Wie kannst du das die ganze Zeit sagen? Hör auf zu träumen, Maria, - es sind schon Frauen für weniger gesteinigt worden als für so etwas!“ Ihre Mutter stützte den Ellbogen aufs Knie. Dann ließ sie ihren Arm ganz plötzlich sinken und lehnte sich zu ihrer Tochter hinüber. „Du hättest bei Elisabeth bleiben sollen. Du hättest das Kind dort zur Welt bringen sollen, wo die Leute aus deinem Dorf es nicht mitbekommen…“
„Das hat Elisabeth auch vorgeschlagen, aber ich muss dem Willen eines andern folgen… Ich muss Adonai gehorchen.“
Ihre Mutter wurde ganz blass vor Schreck, und dann traten ihr Tränen des Kummers in die Augen. „Du scheinst ja sehr von dir überzeugt zu sein, Maria, aber Männer vergeben nicht so leicht. Josef ist ein guter Mann, aber das wird auch ihm zu viel sein.“

Sie schüttelte den Kopf und erhob sich. „Glaub mir, Tochter. Ich kenne keinen einzigen Mann, der das verzeihen würde. Ich weiß nicht wie wir das Josef beibringen sollen…“
„Ihr müsst es ihm nicht sagen. Ich werde heute noch zu ihm gehen, bevor Vater zurückkommt.“



In seinem fast fertig gestellten Haus saß Josef sprachlos da. Er sah sich außerstande, die Geschichte zu glauben, die seine Verlobte ihm gerade erzählt hatte. „Ich habe so sehr auf deine Rückkehr gewartet, Maria“, sagte er. Er sah ihr fest in das immer noch liebliche, immer noch reine Gesicht. „Und jetzt bist du wieder da und erzählst mir, dass du…“
„Ich werde deine Entscheidung verstehen, wie auch immer sie ausfällt“, sagte Maria und nickte ernsthaft, um ihre Worte zu untermalen. „Du bist ein gerechter Mann und mir ist klar, dass solche Neuigkeiten schwer anzunehmen sind. Aber glaub mir bitte, dass ich nichts Falsches gemacht habe, Josef. Ich bin mit dir verlobt, ich bin dir treu gewesen, und ich habe mich an alles gehalten, was das Gesetz vorsieht.“ Sie senkte den Blick und sah auf ihre Hände nieder.
„Mehr kann ich nicht sagen.“
Eine Stille breitet sich zwischen ihnen aus, ein Fehlen jedes Geräusches, als hätte sich zwischen ihnen beiden eine unsichtbare Mauer aufgebaut. Josef sah die Frau an, auf die er gewartet, für die er sich aufbewahrt hatte …
Wie hatte dieser Wahnsinn nur geschehen können?
Er wollte sie schon in seiner Verwirrung davonjagen, als sich ein kleiner Rest Wut in ihm bemerkbar machte. „Weißt du eigentlich, warum ich dich ausgewählt habe, Maria? Warum ich so viele Jahre gewartet habe, bis ich auf deinen Vater zugegangen bin?“
Sie hob den Kopf, sagte aber nichts.
„Sie haben gesagt, du bist ein gottesfürchtiges Mädchen, dem Ehre wichtig ist.“ Er merkte selbst, wie verächtlich er klang, aber er konnte sich nicht zurückhalten. „Ich habe mein Leben lang nach Ehre getrachtet. Ich habe Gerechtigkeit zu einer Zeit gesucht, in der sie nicht leicht zu finden ist. Und was soll ich jetzt tun? Wenn ich behaupte, das Kind sei von mir, müsste ich lügen. Das wäre ein Bruch der Gebote Gottes.“
Maria schloss die Augen. „Ich würde dich niemals bitten zu lügen.“
„Wenn ich sage, das Kind ist nicht von mir“, fuhr Josef fort, „werden mich alle fragen, was ich dann mit dir machen werde. Wenn ich dich dieser … dieser Sünde bezichtige …“
Er sah sie an, als hoffte er, dass sie ihm aus seiner misslichen Lage heraushelfen konnte, aber sie starrte nur auf den Boden und wartete ab, was er sagen würde.
Manchmal rieb ihm die Last, eine schwere Verantwortung zu tragen, fast die Schultern wund.
„Dieses Kind hat eine besondere Aufgabe“, sagte Maria schließlich mit schwacher Stimme.“ „Und diese Aufgabe ist größer als meine Angst davor, was die Leute mit mir machen könnten.“
Ihre Ruhe und schier unglaubliche Gelassenheit verwirrten ihn und machten ihn gleichzeitig wütend. Tief in seinem Innern spürte er eine unbändige, ungestüme Wut in sich aufkeimen. Er griff sich ein hölzernes Gefäß, das auf seiner Werkbank stand, und warf es quer durch den Raum.
Maria zuckte zusammen.
Als ihm wieder bewusst war, wie schutzlos sie da vor ihm saß, verflog sein Ärger so schnell, wie er gekommen war. Wie konnte so eine Frau untreu sein? In ihren Augen sah er keine Arglist und keinen Verrat. Nur Treue. Wahrheit. Und eine rückhaltlose Bereitschaft, sich seiner Entscheidung zu fügen … selbst wenn er entschied, dass sie getötet werden sollte.
Er konnte eine solche Frau doch nicht dem Gespött der Leute aussetzen.
„Ich werde dich nicht öffentlich anklagen“, sagte er schließlich und brach unter dem Gewicht seiner Worte fast selbst zusammen. „Und ohne die wird es kein Gerichtsverfahren geben.“
Sie sah ihn kurz und etwas abwesend an und versuchte zu lächeln. „Aber … du wirst mich nicht zu dir nehmen?“
Er wusste nicht, was er ihr darauf antworten sollte.
Sie nickte, während sich die Röte vom Nacken her auf ihrem ganzen Gesicht ausbreitete. „Du hast mir große Barmherzigkeit erwiesen Josef“, sagte sie, „und dafür werde ich immer dankbar sein.“
Sie stand von ihrem Platz auf und ließ ihn allein zurück.

Auszug aus dem Buch: Es begab sich aber zu der Zeit… von Angela Hunt erschienen im Franke Verlag©
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Passagen in weißer Schrift ist der Originaltext des Buches.


 

24.12.09

Heilige Nacht


Unser Weihnachtsbaum 2009

Das Weihnachtsfest steht vor der Tür
hab lang überlegt, was schenke ich Dir
und hab für Dich zur heiligen Nacht
mir was Besonderes ausgedacht!

Ich schenke Dir in dieser heiligen Zeit
was nirgends zum kaufen liegt bereit,
am Weihnachtsfest wurde die Liebe geboren,
in Jesus , der von Gott ward auserkoren.

Er kam zur Welt so arm, klein und nackt,
drum hab 365 Päckchen für Dich eingepackt,
gefüllt nicht mit Kram und viel Geld
weil das ja doch nicht lange hält.

Die Zahl meiner Päckchen gemessen an Tagen,
sollen samt Inhalt durchs Jahr dich tragen.
Ich packe viel Mut Dir und Licht hinein,
das starke Gefühl nie alleine zu sein.

Ich schnüre Dir Liebe und festen Glauben,
damit Ängste nicht können Dir die Freude rauben.
Auch Verständnis hat drin Platz gefunden,
Einfühlungsvermögen für schwere Stunden.

Gebet und Weisheit für jeden Tag,
wenn wieder mal gar nichts gelingen mag.
Die Freundschaft und Zuverlässigkeit
das Versprechen, für Dich hab ich immer Zeit.

Ich packe ein paar schöne Dinge
damit das neue Jahr Dir gelinge!
Ein frohes Weihnachtfest wünsche ich Dir,
das gleiche Päckchen packe ich auch mir,
weil ich das alles auch gut brauchen kann.

Author: unbekannt

Der Krippenweg setzt heute aus, zu Gunsten der Geburt unseres Herrn Jesus Christus, dem Retter der Welt. Und ich möchte euch die Botschaft zurufen die der Engel den Hirten zu rief:

8 In jener Gegend waren Hirten auf freiem Feld, die hielten Wache bei ihren Herden in der Nacht. 9 Da trat der Engel des Herrn zu ihnen, und die Herrlichkeit des Herrn umstrahlte sie, und sie fürchteten sich sehr.
10 Aber der Engel sagte zu ihnen: »Habt keine Angst! Ich habe eine große Freudenbotschaft für euch und für das ganze Volk. 11 Heute ist euch der Retter geboren worden, in der Stadt Davids: Christus, der Herr! 12 Und dies ist das Zeichen, an dem ihr ihn erkennt: Ihr werdet ein neugeborenes Kind finden, das liegt in Windeln gewickelt in einer Futterkrippe.«
13 Und plötzlich war bei dem Engel ein ganzes Heer von Engeln, all die vielen, die im Himmel Gott dienen; die priesen Gott und riefen:
14 »Groß ist von jetzt an Gottes Herrlichkeit im Himmel; denn sein Frieden ist herabgekommen auf die Erde zu den Menschen, die er erwählt hat und liebt!« Lukas 2, 8-14

Der Frieden Gottes nicht nur zu Weihnachten und den Jubel der Engel im Herzen



23.12.09

Es begab sich aber zu der Zeit... Teil 1



Hintergrund der damaligen Zeit:
Israel stand damals unter der Besatzungsmacht Roms. Der Kaiser in Rom hatte sogenannte Stadthalter eingesetzt die seine Forderungen bei den Israeliten durchsetzen mussten. So musste Israel z.B. immer mehr Steuern nach Rom abführen. Konnten sie dem nicht nachkommen wurde ihnen Land, Vieh und sogar ihre Kinder als Sklaven abgenommen. So war die Situation der Israeliten sehr bedrückend, denn Israel war ein karges Land, mangels Wasser gab es wenig Ertrag. Was die Israeliten aufrecht hielt, waren die verschiedenen Verheißungen der alten Propheten.
Damals wurden die Mädchen mit dem Beginn ihrer Periode zur Frau, und das war das Alter indem sie meist verheiratet wurden. Oft allein deswegen dass die Familie einen Esser weniger hatte, denn dann musste der Ehemann für sie sorgen, und die Familie kam dann besser durch. Nach der rechtskräftigen Verlobung blieb die Frau meist einige Zeit noch in der Familie, in der die Hochzeit dann vorbereitet wurde.

In dem Alter war Maria, die Josef, einem älteren Sohn eines Zimmermannes aus Nazareth versprochen war.

Maria ging in den Olivenhain. Hier konnte sie herumlaufen wie es ihr gefiel und den Blick zum Blätterdach emporheben während sie nachdachte.

Die Musik der Bäume stimmte ihre Gedanken ein. Ein leiser Wind blies wie ein flüstern durch die Zweige über ihrem Kopf hindurch, sie lächelte als das Flüstern zu einem Wort wurde ... und einem Gruß.
„Sei gegrüßt, Begnadete!“
Marias stille Freude wandte sich in Bestürzung. Das hier konnte nicht vom Wind herrühren; es war Sprache.
„Der Herr ist mit dir.“
Sie hielt inne, und ihre Beklommenheit wurde zu regelrechter Angst. Hatte sie unbefugt einen heiligen Ort betreten? Hatte sie Adonai beleidigt? Maria wandte sich langsam um und wollte schon aus dem Garten flüchten, aber ein Fremder stand mitten auf dem Pfad. Er war größer als ihr Vater, so groß, das seine Augen auf der Höhe der oberen Zweige waren, und auf seiner Haut lag ein Glanz, der stärker war als der Schein eines großen Feuers. Er war offensichtlich kein Hebräer, kein Römer, kein Gallier. Er sah überhaupt nicht aus wie irgendein Mann, den sie je gesehen hatte. Ob er wohl … gar kein Mann, gar kein Mensch war?
Nein. Daniel hatte einen Engel gesehen, und Abraham und Jacob. Aber sie waren heilige Männer und Führer Israels gewesen. Wer war sie schon – ein einfaches armes Mädchen?
Als sie ängstlich aufsah, lächelte ihr Besucher. „sei gegrüßt, du Begnadete. Der Herr ist mit dir.“
Maria starrte ihn an; eine Mischung aus Angst und Erwartung hatte nach ihr gegriffen.
„Hab keine Angst, Maria“ fuhr das Wesen fort. „Ich bin Gabriel, der vor dem Angesicht Gottes steht. Er hat mich gesandt dir gute Botschaft zu bringen.“
Ein Schauder lief ihr über den Rücken. Von welcher Botschaft sprach er denn bloß?
Er beugte sich zu ihr vor, und aus seinen Augen strahlte ein starkes Licht. „Gott hat beschlossen dich zu segnen. Du wirst schwanger werden und einen Sohn bekommen, und du sollst ihm den Namen Jesus geben. Er wird sehr groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Ahnen David geben. Er wird auf ewig über Israel herrschen uns sein Königreich wird kein Ende haben.“
Irgendwie schaffte Maria es, sich auf den Füßen zu halten, obwohl sich tief in ihrem Innern ein Schauder bildete, der ihren ganzen Körper aus den Angeln hob. „Aber wie kann ich denn ein Kind bekommen? Ich bin Jungfrau, ich habe mich keinem Mann hingegeben.“
In seine Augen schlich sich ein ehrfürchtiger Glanz. „Der heilige Geist wird über dich kommen, Und die Kraft des Allerhöchsten wird dich überschatten. So wird das Kind, das dir geboren wird, heilig sein, und er wird Sohn Gottes genannt werden“
Maria atmete tief durch um ihre Fassung wieder zu gewinnen. So viele Gefühle wirbelten in ihr durcheinander. „Der Sohn Gottes?“
Gabriel musste die Verwirrung in ihrem Herzen gespürt haben, denn auf seinen Lippen bildete sich ein verständnisvolles Lächeln. „Und noch etwas: Deine Verwandte Elisabeth ist trotz ihres Alters noch schwanger geworden. Die Leute haben sie unfruchtbar genannt, aber sie ist schon im sechsten Monat. Denn bei Gott ist nichts unmöglich, Maria.“
Maria starrte ihren Engelsbesucher mit klopfendem Herzen lange an. Dann fiel sie auf die Knie. Sie würde wie David, Abraham und Jakob dem Wort Adonais Glauben schenken.
„Ich bin die Magd des Herrn“, flüsterte sie, „und werde annehmen, was auch immer er will. Möge sich alles erfüllen, was du gesagt hast.“
Der Engel nickte ihr zu, dass er verstanden hatte. In diesem Moment flog eine Eule aus dem Geäst eines der Olivenbäume auf sie zu, und einen Moment lang war sie abgelenkt. Als sie wieder zu dem Engel hinschauen wollte, war er … verschwunden.
Sie blieb lange auf den Knien liegen. Die Stille schien ihr undurchdringlicher und dichter denn je. Dann setzte sie sich auf den mit Moos bewachsenen Boden und breitete in einer Geste der Demut die Hände aus.
„Ich bin Adonais Magd“, wiederholte sie, „und ich werde tun, was er sagt.“

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22.12.09

Es begab sich aber zu der Zeit... Vorarbeiten



Ab heute möchte ich einen Weg mit euch gehen, den Weg zum Kind in der Krippe. Auch ich gehe mit Euch , denn ich weiß noch nicht genau, wie er aussehen wird.

Zunächst ein paar Vorworte. Ich zeige euch zuvor ein paar Fotos vom Aufbau meiner Walldorf Krippe. Ich habe sie vor ca. 15 Jahren selbst gemacht. Sie besteht aus reinen Naturmaterialien.


Wenn ich sie aufbaue dann meistens zum 1. oder spätestens 2. Advent, da der Auf- und Abbau sehr Zeit intensiv ist. Die Krippe verändert sich jeweils, passend zur Geschichte und Zeit.



Da sie viel Platz braucht wird zunächst alles was geht vom Sideboard weggeräumt und zum Schutz eine Plastikdecke aufgelegt, die anschließend mit Jute überdeckt wird.



Was nicht weggeräumt werden kann (wie der Reciever) wird eingebaut, ja ich benutze ihn dann zur Erhöhung für den Stall.



Nun muß die Lichterkette ausgelegt werden, denn sie soll ja "versteckt" eingebaut werden.


Auch die ersten Bäume werden aufgestellt, denn die Standfestigkeit soll erhalten bleiben. Vom Auflegen des Mooses (dieses Jahr ist es ganz frisches) habe ich kein Foto gemacht, ebenso der vielen anderen Kleinigkeiten, vor lauter Arbeitsstress. Aber ich zeige euch einige an fertigen Dingen.
Hier ist ein Weg zur Krippe gelegt worden, um den Höhen - Unterschied zu überbrücken. Schließlich geht Mensch und Vieh ja hier in den Stall.
Nun ist der Weg nicht mehr ganz so steil und beschwerlich.
Da der Weg zur Krippe weit ist, braucht es auch eine Wasserstelle und Holz um im Freien übernachten zu können für die Hirten. Auch ein Vogel hat schon den Weg hierher gefunden.
Krippe mit einem Stück Landschaft, noch ist der Stall leer, da die hirten auf dem Feld sind mit dem Vieh.

Unten sieht man die Landschaft etwas genauer. Und im obersten Bild sieht man noch ein Stück mehr. Könnt ihr die Lichterkette noch sehen? Na ja, vielleicht demnächst, passt bei der Geschichte darauf auf.
Leider mag "Blogger" mich heute nicht und nimmt nicht die Abstände die ich gewählt habe, egal wie oft ich sie ändere, aber ich hoffe das es trotzdem übersichtlich genug ist.
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So, so viel zum Aufbau und unser Weg wird bald beginnen. Schaut also bald wieder rein. In welchen Abständen ich genau einstelle, kann ich euch nicht genau sagen: wie meine Zeit reicht und ich die Vorbereitungen für den jeweiligen Abschnitt abgeschlossen habe. Aber erwiesener Maßen war das Weihnachtsfest auch nicht genau am 24.12., deshalb, sollten wir später ankommen, stellt das für mich keinen Fehler dar.

21.12.09

Es begab sich aber .......


Adventsdeko Evangl. freikl. Gemeinde Augsburg 2009

Eigendlich war für heute der Beginn eines "Krippenweges" geplant, den ich aber aus aktuellem Anlaß auf Morgen verschoben habe. Ich habe gestern im Adventskalender von Seelenfarben ein wahres Erlebnis von Karin gelen, daß mich sehr berührt hat. Da es auch gut zu dieser Zeit und paßt, stelle ich es mit Karins Erlaubnis hier ein. Ich wünsche euch allen eine nachdenkliche Woche!

Es begab sich aber .......

... dass der erste Schnee des damaligen Jahres einen Tag vor dem Heiligen Abend fiel.In dicken Flocken schwebte er lautlos vom Himmel und hüllte die graue, leicht schmutzige Winterlandschaft in ein zauberhaftes weißes Daunenkleid. Sinnend stand ich am Fenster und sah zu, wie sich Wiesen, Sträucher und Bäume langsam in einen samtenen Mantel aus Schnee hüllten. Alles sah so weich, rein und sauber aus.

Dieser Zustand würde sich nicht lange halten, das wusste ich. Die fahrenden Autos würden den Schnee rasch in grau-braunen Matsch verwandeln und die Bürgersteige müssten geräumt werden. Die ersten Schneeschaufeln waren schon am Werk und man hörte das kratzende Geräusch, das sich unangenehm ins Haus übertrug. Schade um die weiße Pracht!

So plötzlich, wie der Schneefall eingesetzt hatte, waren auch die Kinder auf der Straße. Eingepackt in bunte, dicke Winteranoraks, Kapuzen oder Mützen auf dem Kopf, zogen sie ihre Schlitten hinter sich her. Hier am Niederrhein, dem Industriegebiet so nahe, ist es nie sicher, dass der Schnee lange hält. Außerdem gibt es wenige Anhöhen, die für eine kurze Schlittenabfahrt geeignet wären. Aber das stört die Kinder absolut nicht. Sie toben fröhlich herum und bewerfen sich gegenseitig mit Schneebällen.

Drüben, auf dem Bolzplatz neben dem kleinen Wäldchen liegt noch ein großer Haufen roten Splitts. Ursprünglich für den Platzbelag gedacht, hat der Frost ihn hart werden lassen. Schneebedeckt dient er den Kindern nun als Abfahrt für ihre Rodelschlitten. Unermüdlich klettern sie auf der einen Seite hinauf um dann die kurze Abfahrt zu genießen. "Ich komm viel weiter als du!" spornen sie sich gegenseitig an und die Augen leuchten, wenn ihr Schlitten tatsächlich einen halben Meter weiter fährt als der des Vordermannes.

Mein 9-jähriger Sohn ist auch unter den Kindern. Mit feinem Schleifpapier und einer Speckschwarte bewaffnet hat er die Kufen des Schlittens präpariert und sich in den Wettbewerb um die weiteste Abfahrt eingereiht.

Ich widmete mich der Hausarbeit und bereitete das Mittagessen vor. "Ihr Kinderlein kommet, oh kommet doch all" ... schön, dass der Regionalsender mal ein richtiges Weihnachtslied spielt. Überall hört man - wenn überhaupt - nur englische, rockige Weihnachtsmusik im Radio.

Es klingelt an der Haustür. Der Junge ist es. Er zieht sich die Schneestiefel aus und geht ins Wohnzimmer. Nach einer kleinen Weile will er klammheimlich wieder hinaushuschen. Die Hände seitlich hinter seinem Rücken versteckt, will er irgendetwas rausschmuggeln. Das klappt natürlich nicht. Unter meinem prüfenden Blick zeigt er schließlich den Inhalt seiner Hände:

Weihnachtsplätzchen aus der Keksdose."Für einen Freund. Der hat Hunger, Mama!"

Die Füße mit den schon feuchten Socken rutschen wieder in die Stiefel und schwups, ist er draußen. Freund meines Sohnes wird man schnell. Er ist gutmütig und lieb, sieht wenn Hilfe nötig und ist bereit, sie auch zu geben.

Auf dem Herd kochen zischend die Kartoffeln über. Fluchend zieh ich den Topf beiseite und säubere die Platte. Wieder klingelt es an der Haustür.

Wer in Dreiteufelsnamen ist das schon wieder?

Erneut mein Sohn.

Dieses Mal soll es eine Thermoskanne mit Tee sein. Verwundert über sein Ansinnen frage ich ihn, für welchen "Freund" er das denn alles haben wolle.

Der Junge druckst herum. Schließlich kommt heraus, dass drüben am kleinen Wäldchen seit gestern ein schmuddeliger Nichtsesshafter sein Domizil aufgeschlagen hat. Er schläft unter dem kleinen hölzernen Spitzdach, welches auf dem Spielplatz den Kindern als Hütte dient. Die nächtlichen Temperaturen sinken bereits seit Tagen weit unter den Gefrierpunkt."

Mama, der arme Mann hat kein Bett und keine Decke. Er war schon beim Pastor, aber der hat auch für ihn keinen Platz. Kann er nicht bei uns im Hobbyraum schlafen, damit er es wärmer hat zu Weihnachten?"

Heiß steigt mir das Blut in den Kopf. Das Herz beginnt zu klopfen.

Was machst Du jetzt, liebe Mutter? Du, die ihren Kindern immer Nächstenliebe gepredigt hat? Jetzt bist Du aber in der Bredouille, Mädchen!

Die Gedanken fahren Karussell. Man kennt diesen Menschen doch gar nicht. Wie oft liest man in der Zeitung von Verbrechen die sich ereignen, von Mord und Totschlag während des Schlafes? Angst um Hab und Gut stellt sich ein. Was, wenn dieser Fremde uns während wir schlafen das halbe Haus leer räumt und morgens mit Sack und Pack verschwunden ist? Wahrscheinlich schleppt er uns sogar noch Ungeziefer ins Haus?

Der Blick des Jungen bettelt und bettelt. Mensch, fällt dir denn keine Lösung ein, du ängstliche Mutter eines barmherzigen Kindes?

Dann plötzlich weiß ich, wie man es handhaben kann.

Auf dem Dachboden suche ich den alten Schlafsack heraus, der zwar warm ist, aber nicht mehr ganz so schön aussieht. Die alte Campingliege ist auch nicht mehr die tollste, tut aber noch gute Dienste. Im Keller steht noch, versteckt hinter den Getränkekisten ziemlich verstaubt, der kleine Heizlüfter. Auch die blaue alte Wolldecke könnte man missen. Der große Karton vom neuen Fernseher ist stabil und kann zum Nachtschrank umfunktioniert werden.

Ich schäme mich etwas, als ich die beiden teuren, noch ziemlich neuen Fahrräder aus der Garage in den Hobbyraum befördere. Vielleicht stiehlt der Mann ja doch?

Dann wird es mich leichter ums Herz, als ich das kleine Auto aus der Garage hinaus auf die Straße in den frischen Schnee fahre, um für den Nichtsesshaften eine warme Übernachtungsmöglichkeit darin zu schaffen. Natürlich ist es in der Garage ziemlich rumpelig. Aber was ist die Unordnung im Vergleich zu einer warmen Übernachtungsmöglichkeit?
Gegen frühen Abend ist es dann soweit.

Die Liege ist aufgestellt, der Schlafsack und die Wolldecke liegen bereit. Den Pappteller mit Gebäck auf einer Weihnachtsserviette, eine Flasche Wasser und eine Flasche Rotwein, ein paar Bierknacker und Brötchen habe auf den "Nachttisch" gestellt. Die alte Thermoskanne ist voll mit heißem Tee.

Fröhlich läuft der Junge hinüber zum Wäldchen, um seinem "Freund" Bescheid zu geben. Das Garagentor ist nur angelehnt und nicht abgeschlossen. So kann der Besuch sein Nachtlager einnehmen, wann immer es ihm passt. Ich gehe auch selbst hinüber, treffe ihn aber nicht an.

Als ich später am Abend ins Kinderzimmer komme um Gute Nacht zu sagen, flüstert mir der Junge ins Ohr: "Jetzt ist mein Freund auch schlafen gegangen, ich hab ihn gerade kommen sehen" und seine Augen strahlen vor Freude.

Mit meinem Mann geh ich dann noch zur Garage, um den Gast zu begrüßen. Er hat es sich schon auf der Liege bequem gemacht, freut sich über die Aufnahme und bedankt sich mit feuchten Augen, als ich ihm sage, dass er Schlafsack und Decke gerne mitnehmen kann.

In aller Frühe ist mein Sohn wach. Blitzschnell hat er sich angezogen und saust zur Garage. Ich geh mit ihm, doch der Gast ist schon nicht mehr da.

Stattdessen sehe ich: Ordentlich hängen in Reih und Glied die Gartengeräte an den dazu angebrachten Haken, die alten Blumentöpfe stehen nach Größen sortiert auf dem Regalbrett, das alte Abschleppseil ist gerade zusammengelegt worden und der Sack Blumenerde, der immer vorne im Weg stand, hat seinen Platz an der hinteren Garagenwand gefunden. Selbst das vom Wind hinein gewehte Herbstlaub liegt fein säuberlich zusammengefegt im alten Garteneimer.

Jetzt schäme ich mich noch mehr wegen meiner Ängstlichkeit und bekomme später feuchte Augen, als ich die Weihnachtsgeschichte wieder höre.

"Es begab sich aber zu der Zeit ..." ... die kenne ich auswendig, spreche den Text mit und bin sehr froh, dem "Freund" meines Sohnes ein Nachtlager gegeben zu haben als ich an die Stelle komme "... denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge ...".

Vom Kirchturm her rufen die Glocken zum Weihnachtsgottesdienst.

16.12.09

Der Himmel begann zu singen


Die Figuren der Krippe ist die Adventsdeko der Baptistengemeinde Augsburg 2009

Der Himmel begann zu singen

Es war Nacht und die Herde lag friedlich am Hang,
und die Welt trug ein mondweiches Kleid.
Aber wir hockten hier, und die anderen dort,
und man hörte nur manchmal ein drohendes Wort,
denn grad zwischen uns hockte der Streit.

Keiner wusste mehr, worum man stritt,
und auch ich wusste nur noch: im Recht waren wir.
Und so starrten wir finster die anderen an,
bis auf einmal der Himmel zu singen begann –
und bald klang dieses Lied auch in mir.

Wenn wir Gott in der Höhe ehren, kehrt bei uns hier der Friede ein.
Wenn wir Gott in der Höhe ehren, wird auch Friede auf Erden sein.


Alle rannten den Weg, den der Engel beschrieb:
Unser Ärger war halb schon verpufft.
Und dann standen wir rings um das Kind,
und es nahm uns den Atem, wie nah uns Gott darin kam –
und uns fehlte zum Streiten die Luft.

Wenn wir Gott in der Höhe ehren, kehrt bei uns hier der Friede ein.
Wenn wir Gott in der Höhe ehren, wird auch Friede auf Erden sein.


Und wir rückten zusammen, der Kreis wurde klein
um das Kind, um den Retter der Welt.
Unsere Schulter und Arme berührten sich scheu,
und wir spürten: es wird durch das Kind alles neu.
Und das haben wir jedem erzählt:

Wenn wir Gott in der Höhe ehren, kehrt bei uns hier der Friede ein.
Wenn wir Gott in der Höhe ehren, wird auch Friede auf Erden sein.


So kehrten wir um. Unser Streit blieb im Stall,
und der Friede zog mit uns nach Haus.
„Gott sei Dank!“ sagte einer und summte das Lied.
Wie aus einem Munde sangen wir andere mit,
und es schallte ins Dunkel hinaus:

Wenn wir Gott in der Höhe ehren, kehrt bei uns hier der Friede ein.
Wenn wir Gott in der Höhe ehren, wird auch Friede auf Erden sein.

Wenn wir Gott in der Höhe ehren
Text & Melodie: Manfred Siebald
© 1987 SCM Hänssler, 71087 Holzgerlingen

Mit freundlicher Erlaubnis des Hänssler Verlages eingestellt.



Ich wünsche uns und euch das wir gerade in der Adventszeit etwas vom Frieden, von dem die Engel singen, in unseren Familien und unser Umgebung spüren können. Frieden trotz aller Umstände und Widerstände. Das wir zur Ruhe und zur Besinnung kommen und uns darüber klar werden was es bedeutet: Gott in der Höhe zu ehren. Und wenn wir damit anfangen und es Kreise zum Nächsten zieht, wir dann dahin kommen das Friede in unserm Land und der ganzen Welt herrscht.
 

11.12.09

Du bist geliebt



Du bist geliebt

Heute ist die Gelegenheit dir bewusst zu werden
Dass du etwas Besonderes bist

Jetzt ist der Moment dir zu sagen
Dass du geliebt bist

Du bist der wichtigste Mensch in deinem Leben
Und ein wesentlicher Teil

Im Leben von denen
die mit dir unterwegs sind

Petra Würth

Diesen Wandbehang habe ich gerade noch rechtzeitig vor meiner Hand OP fertigbekommen. Es war ein Überraschungsgeschenk zum 1. Advent. Ich denke dass er es gut bei der Familie mit 2 Jungens im ersten Schulalter hat. Es ist ein freies Design von mir. Genäht ist er teilweise aus Nikolausstiefeln die ich ausgeschnitten und als Bilder eingesetzt habe. Tipp: Nach Weihnachten bekommt man Nikolausstiefek + Weihnachtssachen oft ganz günstig! Gequiltet ist er bis auf den roten Rand ganz mit der Hand. Der rote Rand wurde mit der Maschine gequiltet. Eigentlich hat er mir so gut gefallen daß ich mich ungern getrennt habe, aber die Freude Tabitha in der Schweiz eine Überraschungsfreude zu machen, war dann doch größer. Sie und Reto hatten als Familie ein sehr schweres Jahr und ich denke da kann man Freude gebrauchen. Und ich weiß das sie den Quilt schätzen und in Ehren halten werden.